
Auch in diesen Tagen durfte ich wieder Lebenswürdigungen halten, bei denen mein Herz zu hören war.
„Es war, als würden Sie meinen Ehemann gekannt haben.“
Genau für ein solches Feedback sitze ich daheim und schreibe. Zeilen, die mich in das Leben, was es gilt zu würdigen, hineinversetzen sollen.
In den Worten der hinterbliebenen Ehefrau spiegelte sich der Gedanke wider, mit dem ich die Rede eröffnet habe.
Ich hatte sie mit einem Zitat begonnen, das dem indischen Philosophen und spirituellen Lehrer Osho zugeschrieben wird:
„Das Geheimnis des Lebens liegt nicht darin, immer die richtigen Antworten zu finden, sondern darin, die richtigen Fragen zu stellen.“
Ein Gedanke, der den Verstorbenen über viele Jahre begleitet hatte. Seine Ehefrau sagte im Vorgespräch einen Satz, den ich kürzlich noch in einem Interview mit dem deutschen Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther in ähnlicher Form hörte:
„Eigentlich war mein Mann immer auf der Suche nach dem richtigen Leben.“
Daraus entstanden die ersten Zeilen meiner Lebenslaudatio:
„Viele nehmen das Leben so hin, wie es kommt. Viele gehen Wege, die andere vorgeben. Viele passen sich an. Doch er war anders. Er wollte verstehen. Er wollte hinter die Dinge schauen. Er wollte wissen, was Menschen bewegt, was das Leben ausmacht und was wirklich wichtig ist.“
Eine Angehörige eines anderen Trauerfalls schrieb mir nach der Trauerfeier:
„Wir alle fanden die Rede sehr, sehr schön, vor allem, weil sie sein Wesen so gut getroffen hat, jedes Wort wohl überlegt war und auch Menschen, die ihn vielleicht nicht so gut kannten, viel über ihn und sein Leben erfahren konnten. Ganz lieben Dank dafür, das ist eine große Kunst.“
Mit den Angehörigen beider Familien teile ich ein ähnliches Schicksal. Die Worte „Plötzlich und unerwartet“ beschreiben eine Erfahrung, deren Tragweite ich zutiefst persönlich kenne.
Daher schwingen sie wohl in meiner Stimme und in meinen Worten immer ein Stück weit mit.
Einer dieser irdischen Abschiede, führte mich erneut in den Wald – einem Ort, der für mich eine besondere Bedeutung hat.
Dort wird mir immer wieder bewusst, dass ein Leben nicht einfach endet.
Es bleibt in Erinnerungen, Geschichten und Spuren erhalten. So wie Bäume fest verwurzelt sind und weiterwachsen, bleiben auch die Erinnerungen an geliebte Menschen lebendig und tragen über den Abschied hinaus.